Service-Navigation

Suchfunktion

14.05.2015

Urban Gardening: Gemeinsam in der Stadt ackern

Sie wachsen auf öffentlichen Grünflächen, an Stadtmauern, auf Dächern oder an Fassaden - die Rede ist nicht von blühenden Pflanzen, sondern von Kartoffeln, Pfirsichen oder frischen Kräutern. Immer mehr Initiativen schließen sich zusammen, um gemeinsam öffentlich zu gärtnern.

Urban Gardening: Friederike Wöhrlin

Vor allem in Großstädten gibt es zahlreiche Initiativen rund ums Urban Gardening. Allein in Berlin wird die Zahl der Projekte auf über 200 geschätzt. Fast 500 urbane Gemeinschaftsgärten soll es im gesamten Bundesgebiet geben.

Lebensmittel selbst erzeugen

Urban Gardening steht für einen aktuellen Trend: das gemeinsame Gärtnern von Stadtbewohnern. Engagierte Bürger nutzen dafür kleine städtische Flächen, aber auch Dächer von Gebäuden, Fassaden, Stadtmauern und Hinterhöfe. Sie bauen dort gemeinschaftlich Lebensmittel für ihren eigenen Bedarf an. Auch wenn eine vollständige Eigenversorgung nicht das Ziel ist, will man gesunde Lebensmittel erzeugen – ökologisch, regional und möglichst klimaneutral. Gleichzeitig wird durch die bepflanzten Flächen die Artenvielfalt gefördert, nicht nur von den Pflanzen, auch von Insekten und Vögeln.

Voneinander lernen und die Gemeinschaft fördern

Die naturnahe Erzeugung von Lebensmitteln ist aber nur eine Seite des Urban Gardenings. Wo Menschen in Städten leben, haben viele nur noch wenig Berührung zur Landwirtschaft. Urban Gardening bietet hier eine Chance, den Menschen Landwirtschaft und Gartenbau wieder näherzubringen und durch eigene Erfahrung erlebbar zu machen. Die Bürger haben die Möglichkeit Freiflächen bzw. ihre Stadt aktiv mitzugestalten, wodurch sie sich stärker mit ihrem Wohnort identifizieren können.

Im Rahmen von Initiativen zur Bewirtschaftung größerer Flächen bieten die Akteure teilweise botanische Führungen, Workshops zum Anbau, Tauschbörsen und sogar Outdoor-Kochkurse an. Ziel ist es sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Auch Kindergärten, Schulen, Vereine und Gruppen nutzen die Flächen als Begegnungs- und Lernort. Diese gemeinsamen Aktionen führen Menschen unterschiedlicher Kulturen und Generationen zusammen und stärken den Zusammenhalt zwischen den Bürgern.

Trotz der vielen Vorteile des Urban Gardenings stellt sich die Frage, wie es sich bei der relativ hohen Schadstoffbelastung in der Stadt vermeiden lässt, dass sich die Schadstoffe nicht auch im essbaren Grün wiederfinden. Eine Untersuchung zur Schwermetallbelastung am Institut für Ökologie der TU Berlin zeigt, dass der Abstand zur Straße entscheidend ist. Bei einer Distanz von über zehn Metern verringerte sich der Bleigehalt im Gemüse. Auch die Verwendung von Erde mit einem Zertifikat sowie das Pflanzen von Hecken und Büschen können dazu beitragen, Schadstoffe von den geernteten Lebensmitteln fernzuhalten.

Von Schrebergärten, Baustellenzäunen und essbaren Städten

Die Urform des Urban Gardenings ist der klassische Schrebergarten. Lange Zeit stand er für eine Kultur von bunten Gartenzwergen und galt als spießig. Doch das Klischee ist längst überholt. Immer mehr junge Familien nutzen die Fläche und bauen dort ihr eigenes Obst und Gemüse an. Immerhin beackern deutsche Kleingärtner eine Fläche von rund 46 Tausend Hektar. Derzeit liegen vor allem auch Gemeinschafts- und Generationengärten im Trend. Hier teilt man sich die Arbeit und erfreut sich an der gemeinschaftlichen Ernte. Neuer hingegen ist die Idee, einen Bauzaun als Nachbarschaftsgarten zu bepflanzen. Dabei setzen die Anwohner die Nutzpflanzen in Pflanztaschen und entscheiden, ob die Ernte geteilt oder nur für den Eigenbedarf bestimmt ist.

Ein anderes, seit Jahren sehr erfolgreiches Modell des Urban Gardenings liefert Andernach mit dem Projekt „Essbare Stadt“. Bereits seit 2010 heißt es hier bei den Obst- und Gemüsebeeten in der Stadt: „Pflücken erlaubt“ – für jedermann. Gleichzeitig wird mit diesem Projekt auch deutlich, dass Urban Gardening nicht nur den Akteuren einen Mehrwert bietet. Auch die Städte profitieren vom öffentlichen Gemüseanbau: Es fördert die interkulturelle Integration und gibt möglicherweise der lokalen Wirtschaft Impulse. Gemüse und Stauden sehen dekorativ aus und verschönern das Stadtbild. Auch finanziell ist es im Vergleich zur regelmäßigen Bepflanzung von öffentlichen Blumenbeeten eine attraktive Alternative – nach dem Motto: Grün tut den Städtern und der Stadt nachweislich gut.

Initiativen rund ums Urban Gardening finden Sie unter anderem unter:

www.stadtmachtsatt.de

www.gartenpiraten.net

www.stadtacker.net

Informationen zum biologischen Gärtnern auf kleinstem Raum finden Sie hier:

www.bio-aus-bw.de


Quellen:

Autorin: Dr. Claudia Müller

Bildautorin: Friederike Wöhrlin

05/2015

Fußleiste